24. April 2020

Die Breitling-Neuheiten 2020 – gute Modelle und gerechtfertigte Preise?

Vor kurzer Zeit war es soweit, Breitling hat als einer der ersten Hersteller dieses Jahr eine Vielzahl neuer Produkte vorgestellt. Die Neuvorstellung erfolgte aufgrund der u.a. wegen Corona abgesagten Messen online und machte sehr schnell die Runde in den einschlägigen Youtubekanälen und Blogs. Ich habe deswegen auf eine Berichterstattung im Rahmen meines Youtubekanals verzichtet und möchte hier nun speziell auf einen viel diskutierten Punkt eingehen…die Preisgestaltung. Sicherlich wird dieser Beitrag hier eher ein Kommentar mit einem sehr subjektiven Einschlag, dennoch werde ich natürlich faktenbasiert argumentieren und versuchen Euch meine Ansicht der ganzen Thematik logisch nachvollziehbar darzulegen.

Ich wünsche Euch ganz viel Spaß beim Lesen und falls Ihr die vergangenen Blogbeiträge noch nicht gesehen habt, schaut sie Euch gerne noch an, mich würde es sehr freuen!

Welche Modelle sind überhaupt neu:

Neben Neuheiten wie der Navitimer Serie im kleineren 35mm Format, welche sich wohl weit überwiegend an die Frauen richtet, waren es vor allem die Superocean- Heritage 57 Modelle der Capsule-Kollektion (angelehnt an den Ursprung der Superocean von 1957), sowie die Chronomat B01 42 Modelle, welche für Aufsehen sorgten. Mit dem neuen Chronomat am vintageinspirierten sehr auffälligen Stahlband positioniert sich Breitling nun weiterhin geschickt im Bereich der mit 42mm für nahezu jedermann gut tragbaren Uhren. Die Krönung der neuen Superocean-Heritage 57 Kollektion (ebenfalls mit 42mm Durchmesser) bildet das gerne als „Rainbow Variante“ bezeichnete Modell mit einem sehr bunten auffälligen Zifferblatt.

Sowohl die Optik der neuen Modelle als auch die Auswahl der aufgegriffenen Breitling-Kollektionen wurden meiner Auffassung nach in der Uhrenwelt recht positiv angenommen. Das hat man in der Vergangenheit bei anderen Entscheidungen unter Kern durchaus auch mal anders beobachten können. Ich erinnere mich hier unter anderem an die Baselworld 2018. Durch die damals vorgestellten Neuerungen an den einzelnen Kollektionen wurde viel von einem eventuellen Verlust der „Breitling DNA“ gesprochen. Auch wenn dies meiner Meinung nach nicht ganz unberechtigt war, muss man nun jedoch sagen, dass der Weg von Breitling letztes und besonders dieses Jahr wieder mehr Anklang findet. Auch das vollkommen zurecht!

 

Modell „Lucky 8-2“ von Alexander Shorokhoff

Der Chronomat B01 42 in der Stahlvariante mit grauem Zifferblatt (Bildquelle: Breitling)

Die Problematik mit dem Preis:

Ein Punkt, welcher querbeet durch alle Meinungen und Medien immer wieder auftauchte, ist jedoch die Preispolitik Breitlings bei der aktuellen Kollektion. Die Uhren kommen zwar gut an, doch nur wenige Uhreninteressierte haben nach eigener Aussage die Bereitschaft die aufgerufenen Listenpreise auch zu bezahlen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Chronomaten und die Superocean-Heritage Modelle. Doch warum ist das eigentlich so und sind die Preise vielleicht wirklich zu hoch oder doch einfach nur angemessen und ein richtiger, konsequenter Schritt von Breitling? Damit wir alle auf demselben Stand sind und wissen wovon wir reden möchte ich Euch gerne zwei Preise nennen, welche ich so auf der Onlinepräsenz eines großen Juweliers gesehen habe. Dort wird die „Rainbow Variante“ der Superocean-Heritage 57 als limitierte Uhr (auf 250 Stück) mit Milanaiese-Armband für 4.750 Euro angeboten. Für die Stahlversion des Chronomat B01 42 mit grauem Zifferblatt wird ein Preis von 7.900 Euro aufgerufen. Ergänzend muss erwähnt werden, dass die Superocean-Heritage 57 Modelle meines Wissens nach beim Werk auf ein Standardwerk eines Drittherstellers aufbauen, während es sich bei dem im Chronomat verbauten Werk um ein Manufakturprodukt von Breitling handelt.

Fachbuch
Vom Profi lernen

Bald erwartet Euch an dieser Stelle mein eigenes Fachbuch rund um den Uhrenkosmos. Egal ob Ihr neu im Hobby oder bereits länger den Uhren verfallen seid, Ihr könnt gespannt bleiben!

Modell „Sang Bleu“ von Hublot

Die limitierte Version der Breitling Superocean-Heritage 57 am Lederband (Bildquelle: Breitling)

Unter anderem die erwähnten Werke sind der erste Punkt bei dem Kritiker des Preises Nährboden finden. Warum sollte man bei der limitierten Version der Superocean-Heritage fast 5.000 Euro Listenpreis zahlen für ein modifiziertes/veredeltes Standardwerk. Und warum sollte man für Manufaktur annähernd 8.000 Euro Listenpreis bezahlen, wenn man dies beispielsweise bei bestimmten Modellen von Tudor, Rolex, Tag Heuer und vielen mehr nicht machen muss. Ein durchaus nachvollziehbarer Grund, sofern man sein Hauptaugenmerk auf die Mechanik einer Uhr legt. Doch das dies längst nicht immer der Mittelpunkt einer jeden Uhr ist, macht ein Blick in den Uhrenkosmos schnell deutlich. So verlangt Hublot zum Beispiel bei der Classic Fusion Serie für einen Chrono mit modifiziertem Standardwerk eines Drittherstellers Listenpreise jenseits der 10.000 Euro, bietet dafür im Gegenzug aber ein durchaus individuelles Design mit mehr als interessanten Materialmixen (Titan, Stahl, Gold, Kevlar, Kautschuk, Leder um nur einige der potenziell verbauten Materialien zu nennen). Bei der erwähnten Superocean-Heritage 57 Uhr kommt ebenfalls ein mehr als individuelles modernes Design zum Tragen, welches geschickt mit der Historie dieser Uhr kombiniert wurde. On top kommt noch die weltweite Limitierung auf nur 250 Stück. Das kann einen Preis von 4.700 Euro für den ein oder anderen unter uns durchaus rechtfertigen. Der Chronomat bietet hingegen Manufaktur und ein tatsächlich durch das Armband sehr ausgefallenes Design. Hier liegt zwar keine Limitierung vor, aber ebenfalls eine vintageinspirierte Uhr mit Charakter. Legt man also mehr Wert auf das Design als auf das Werk und möchte eben genau diese Breitling und keine günstigere Tudor, kann man auch den aufgerufenen Preis durchaus rechtfertigen.

Ein weiteres sehr beliebtes Argument ist der Graumarkt. Hier werden Breitlingmodelle neuerer und älterer Kollektionen häufig neu, legal und im full set für deutlich niedrigere Preise als im regulären Handel angeboten. Warum also solltet Ihr den Listenpreis beim Juwelier zahlen, wenn Ihr durch ein wenig mehr Geduld beim Grauhändler bedeutend weniger Geld lassen müsst. Ein meiner Meinung nach absolut nachvollziehbares Argument, dem man nicht viel entegegensetzen kann. Möchtet Ihr jedoch „das volle Programm“ beim Konzi mit Getränken, einem netten Plausch, entsprechender Atmosphäre usw. ist der Grauhandel wohl eher nichts für Euch.

Mein Fazit:

Finde ich die Preise von Breitling derzeit zu hoch? Beim Chronomat ja, bei der limitierten Superocean hingegen nicht. Das hat den ganz einfachen Grund, dass mir persönlich nahezu immer das Design und die Kreativität wichtiger ist als die Mechanik und ich den Preis bei dieser Uhr mit der genannten Limitierung absolut nachvollziehen kann. Generell solltet Ihr unabhängig von Eurer persönlichen Meinung aber Verständnis für Breitling als Marke und Unternehmen aufbringen. Man muss sich nun gerade mit der noch verhältnismäßig frischen Führungsspitze und neuen Ideen wohl überlegt platzieren. Es geht darum im Luxussegment seine Position zu halten bzw. auszubauen und Luxus ist per se nur etwas für diejenigen, die sich diesen auch wirklich leisten wollen. Fängt man dann als Marke an die Preise von vorneherein deutlich herabzusetzen läuft man durchaus Gefahr, dass die eigenen Produkt nicht als der Luxus wahrgenommen werden, den sie eigentlich hätten darstellen sollen. Das heißt keineswegs, dass wir immer dazu bereit sein sollten klaglos den Listenpreis zu bezahlen, aber ein gewisses Verständnis für solche Entscheidungen kann meiner Ansicht nach einem jeden Uhrenfan abverlangt werden, der Wert auf neue kreative Arbeit in der Uhrenindustrie legt!

 

Vielen Dank an alle Leser, die bis zu dieser Stelle hier gekommen sind, ich weiß das sehr zu schätzen! Fasst diesen Beitrag bitte als das auf was er ist, ein Kommentar mit meiner subjektiven Meinung.

Falls Ihr etwas mehr über den Grauhandel und den Uhrenkauf als solches erfahren möchtet, kann ich Euch an dieser Stelle noch Teil 1 und Teil 2 meiner dazugehörigen Blogserie wärmstens ans Herz legen…

Macht es gut, bis nächste Woche 🙂

Euer Florian

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