23. Juli 2020

Sind Microbrands wichtig? Meine Meinung!

Microbrands sind ein schon immer etwas kritischer Punkt in der Uhrenszene gewesen. Die Einen verteufeln sie, die Anderen vergöttern sie und der Rest bewegt sich in der Regel irgendwo dazwischen. Gerade in der letzten Zeit waren Microbrands ein heiß diskutiertes Thema in weiten Teilen der Uhrenszene, so dass ich mich mit diesem Beitrag nun gerne exakt diesem Thema widmen und Euch meine Meinung diesbezüglich mitteilen möchte. Für diejenigen unter Euch, die sich auch gerne mal ein Video zur Thematik anschauen möchten habe ich bereits vor längerer Zeit entsprechendes Videomaterial auf meinem Youtubekanal hochgeladen und veröffentlicht.

Ich mache es kurz, Microbrands sind super! Wer sie aus Prinzip ablehnt, verschließt sich meiner Meinung nach vor einem großen Teil der bunten sowie vielfältigen Uhrenwelt. Doch fangen wir mal von vorne an, was sind eigentlich Microbrands? Eine wirklich einheitliche Definition dazu ist nur sehr schwer zu finden. Für den Einen sind es preislich günstige und kleine Marken, für den anderen preislich nicht näher definierte aber im Mainstream eher unbekannte und kleine Marken. Der Schnittpunkt beider Ansichten liegt wohl in der Größe des Unternehmens. Es darf nicht so riesig sein wie beispielsweise die „Big Player“ der Szene. Meiner Meinung nach spielt zwar der Preis hierbei keine Rolle, wohl aber die Bekanntheit der Marken beziehungsweise Uhren, sowohl in der Uhrenszene als auch im Mainstream. Mit dieser Grundlage gilt es nun also herauszufinden was es mit diesen viel diskutierten Microbrands so alles auf sich hat. Fans von traditionsreichen großen Uhrenmarken (meistens Marken der Luxusklasse) wischen Microbrands gefühlt sehr oft als unbedeutend zur Seite und befassen sich nicht näher damit. Warum das so ist, erschließt sich mir zugegebenermaßen nicht so ganz. So haben doch auch die heutzutage weltweit abgefeierten Marken wie Rolex, Audemars Piguet, Patek Philippe und Co. mal irgendwann als kleine unbedeutende Marken angefangen und waren über eine lange lange Zeit hinweg nicht auf dem heutigen Preisneviau was den Marktpreis angeht. Was gibt es nun also für Gründe, warum ein Microbrand heute nicht ebenfalls in einigen Jahren beziehungsweise Jahrzehnten zum „Big Player“ in der Szene werden könnte.

Das limitierte Modell Glocker von Alexander Shorokhoff

Das limitierte Modell „Glocker“ der Marke Alexander Shorokhoff.

Wenn es eine Marke geschafft hat und entsprechend groß geworden ist, ist die Marke also dadurch wirklich so viel besser, nur weil die Uhren dann mehr Prestige, sowie gegebenenfalls einen höheren Werterhalt haben? Wohl kaum, es sei denn man legt ausschließlich Wert auf Prestige und Werterhalt beim Uhrenkauf.

Ist es nicht gerade die unglaubliche Vielfalt, welche große und kleine Marken bieten, die unser Hobby so interessant macht!? Blendet man nicht direkt bestimmte Marken und/oder Uhrenmodelle aus, so hat man eine wirklich breite Range von günstig über teuer, von normal bis ausgeflippt und kann nach Herzenslust seine Sammlung ergänzen. Ich finde, dass alleine diese Tatsache schon Grund genug dafür sein sollte kleine und vielleicht weniger traditionsreiche Marken gerade nicht von Anfang an für sich auszuschließen. Auch bin ich der Meinung, dass es genauso günstige und/oder im Ausland (China zum Beispiel) gefertigte Uhren geben muss wie auch teure Exemplare beispielsweise aus Deutschland, Japan oder der Schweiz. Denn aus der Sicht eines Uhrensammlers davon auszugehen, dass jeder gleichermaßen Interesse und Budget für Uhren aufbringt wie man selbst, ist wohl absolut vermessen. Vielleicht reicht Person A schon eine günstige 70 Euro Quarzuhr eines Microbrands aus China, weil es einfach nur ein modischer Aspekt ist der zählt und eben nicht das Werk, das Material oder die Marke, während Person B bei jener Uhr die Hände über den Kopf zusammenschlägt. Vermutlich wird kaum einer von uns Sammlern eine solche Uhr seiner Sammlung hinzufügen, doch darf man aus den eben genannten Gründen solchen Modellen nicht per se die Existenzberechtigung absprechen.

Fachbuch
Vom Profi lernen

Bald erwartet Euch an dieser Stelle mein eigenes Fachbuch rund um den Uhrenkosmos. Egal ob Ihr neu im Hobby oder bereits länger den Uhren verfallen seid, Ihr könnt gespannt bleiben!

Das Modell Meridian des Microbrands Corazon Del Mar

Das Modell „Meridian“ der Marke Corazon Del Mar.

Was ich jedoch vor allem bei Microbrands oft eher kritisch sehe, ist teilweise das sehr aggressive Marketing für die eigenen Uhren. So brüsten sich manche kleineren Marken vor allem in den sozialen Medien damit, ebenfalls den Luxus und die Qualität der großen Marken bieten zu können, dafür aber bedeutend weniger Geld verlangen zu müssen. Diese Form des Marketings ist in meinen Augen vermessen und schadet einem entsprechendem Microbrand eher. Bei aller Liebe kann es nicht sein Luxus beziehungsweise Qualität auf dem Niveau eines Luxusprodukts zu absoluten Dumpingpreisen anzubieten und damit noch entsprechend wirtschaftlich zu arbeiten. Hier muss also irgendwo der Haken sein, meiner Erfahrung nach meistens eben doch bei der Qualität des Zeitmessers. Seriöse Microbrands mit qualitativ guter aber dennoch etwas günstigerer Ware werden davon unweigerlich in Mitleidenschaft gezogen, was den Ruf der Microbrands angeht. Achtet bei Eurer Recherche und beim Kontakt zu kleineren Marken also bitte stets darauf jedem Unternehmen eine faire Chance einzuräumen und sie nicht alle direkt in „Sippenhaft“ zu nehmen.

Mein Motto hinsichtlich der ganzen Microbrandthematik und meine Antwort auf die Frage was ich denn von Microbrands halte, lautet: „Alles kann, nichts muss!“

Ich freue mich immer, wenn ich eine möglichst große Auswahl habe und nicht bereits festgelegt bin. Schenke ich Microbrands also Beachtung und stelle Prestige- und Investmentgedanken hinsichtlich Werterhalt und Co. erstmal hinten an, so kann ich innerhalb der riesigen Auswahl an Uhren sicherlich die ein oder andere bereichernde Neuentdeckung für mich machen, um meine Uhrensammlung sinnvoll zu ergänzen 🙂

So viel nun also zu meinen Gedanken hinsichtlich der ganzen Microbrandthematik. Ich hoffe ich konnte Euch unterhaltsame Minuten beim Lesen dieses Artikels bescheren und freue mich schon auf den nächsten Beitrag für Euch Uhrenverrückte!

Macht es gut, bis bald 🙂

Euer Florian

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